Geschichte und Zweck des Vereins

Der „Verein ehemaliger Studenten an der Universität Lausanne e.V.“, kurz „Förderverein“ wurde von neun Alumni des deutschen Rechtsunterrichts an der Universität Lausanne sowie dem langjährigen Lausanner Lehrstuhlinhaber Professor Dr. Karl Heinz Neumayer (1920-2009) gegründet. Alle zehn Gründungsmitglieder waren Angehörige der Altherrenschaft der 1887 gestifteten Studentenverbindung Germania-Lausanne, Prof. Neumayer dazu deren Ehrenmitglied. Nach einem mit überwältigender Mehrheit von der Germania im Jahre 1984 gefaßten Grundsatz-beschluß fand die Gründungsversammlung zur Bestätigung der Satzung am 1.11.1986 im Anschluß an ein in der Fränkischen Schweiz abgehaltenes Herbsttreffen statt.

Hintergrund der Vereinsgründung war, daß man erkannt hatte, daß ein großer Teil der von der Germania ange-botenen Aktivitäten und Unternehmungen allen deutschen Studenten in Lausanne offen steht. Um dieses auch zum Zwecke der steuerlichen Begünstigung öffentlich anerkannt zu bekommen, wurden ab 1980 Überlegungen zur Gründung eines von der Germania rechtlich unabhängigen, gemeinnützigen Vereins angestellt. Von Anfang an Konsens war dabei, daß der Verein jedem und jeder der oder die sich den Satzungszwecken verbunden fühlt, offen stehen sollte. Es muß sich dabei nicht zwingend um natürliche Personen handeln. Auch juristische Personen können Mitglied werden und sind es auch. In das Vereinsregister in München eingetragen und als gemeinnützig anerkannt wurde der Verein im Juli 1987, wenige Wochen nach der großen Zentenarfeier der Germania.

In der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wurde der Förderverein ab 1997. Denn ab Mitte der 1990er Jahre wurde mit Blick auf die bevorstehende Emeritierung des damaligen Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Fritz Sturm und angesichts einer wirtschaftlichen Krise im Kanton Waadt ungewiß, ob der Lehrstuhl für deutsches Recht weiter würde aufrecht erhalten werden können. In dieser Situation unterstützte der Förderverein maßgeblich die Initiative der Germania zur Herausgabe einer der Universität Lausanne gewidmeten Festschrift und machte mit ihrer Verbreitung in Deutschland und der Schweiz auf die Bedeutung des Lehrstuhls aufmerksam. In Anlehnung an die Devise im Wappen der Universität „Semen ortum faciet fructum centuplum“ (Der ausgestreute Samen möge hundertfache Frucht erbringen) erschien als „des Dankes Frucht“ die Festschrift unter dem Titel: „Gratiae Fructus – Festschrift zu Ehren der Universität Lausanne – 100 Jahre deutscher Rechtsunterricht an der Universität Lausanne – 110 Jahre Korporation Germania-Lausanne“. Der Anstoß zu dieser Festschrift kam von Professor Neumayer.

Einzelne Exemplare von Gratiae Fructus sind noch verfügbar und können gegen eine Schutzgebühr von 15 EURO vom Förderverein bezogen werden. Der Handel mit diesem Werk in Bücherbörsen heute zu einem Preis, der über dem Neupreis liegt, zeigt, daß das Werk seine Bedeutung nicht verloren hat. Neumitglieder erhalten es solange der Vorrat reicht kostenlos.

Auch in den Jahren nach Erscheinen von Gratiae Fructus rührte der Förderverein zusammen mit der Germania und dem jeweiligen Lehrstuhlinhaber weiter die Trommel für das Studium in Lausanne. 2001 wurde ein Kuratorium namhafter Persönlichkeiten unter dem Vorsitz des früheren Richters am Bundesverfassungsgericht Prof. Dr. Alfred Söllner (1930-2005) gebildet, das die Bemühungen des Fördervereins zur Erhaltung des Lehrstuhls unterstützte. An zumeist auch heute noch relevanten Aktivitäten sind zu nennen: die Organisation und Finanzierung von Gast-vorlesungen von Professoren und anderen Persönlichkeiten, die finanzielle Unterstützung von Semestereröff-nungsvorträgen, wie sie etwa von der Germania angeboten werden oder die Finanzierung von Bildungsexkursionen der Studenten zum Beispiel zu den Vereinten Nationen in Genf. Für die Herausgabe eines ausführlichen Studien-führers konnten seinerzeit auch Mittel der Universität und anderer Stellen eingeworben werden. Die bald folgende rasante Verbreitung des Internets mit seinen Informationsmöglichkeiten machte diese Aktivität aber obsolet. 1999 wurde die Festschrift für Professor Sturm anläßlich seiner Emeritierung co-finanziert (MÉLANGES FRITZ STURM). Der Verein schaltet sich auch ein, wenn Fragen in der deutschen Juristenausbildung mit Bezug zum Auslandsstudium in Lausanne zur Diskussion anstehen.

Dem Ziel die Bedeutung des Lehrstuhls bewußt zu machen, dient besonders die Auslobung eines Promotions-preises. Im Jahre 2003, nach dreissigjähriger Unterbrechung, ermöglichte der damalige Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Andreas Heinemann es wieder, daß am Lehrstuhl Doktorarbeiten angefertigt werden können. Dem schloß sich der Förderverein an und verleiht seit dem Jahre 2005 alljährlich im Gesamtwert von 2000 Franken einen oder mehrere Preise für herausragende Dissertationen, die am Lehrstuhl für deutsches Recht angefertigt wurden. Die vierköpfige Jury besteht aus Professoren, die paritätisch von der Fakultät und dem Förderverein bestellt wird. Das Förder-reglement ist im Original in französischer Sprache von den Universitätsgremien genehmigt worden. Im Réglement heißt der Preis „Prix de l'Association des anciens étudiants allemands“. Die Überreichung des Preises erfolgt alljährlich im September im Rahmen der Ouverture des Cours. Diese Veranstaltung bietet auch immer Anlaß für den Förderverein den persönlichen Kontakt mit der Fakultät zu pflegen. Die prämierten Arbeiten umfassen spannende und vielfältige Themen, je etwa zur Hälfte verfaßt von Damen und Herren, darunter auch Angehörige der Germania.

Siehe zu den Aktivitäten des Fördervereins auch die Bildergalerie und die Seite "Preisträger“.

Darüber hinaus bietet der Verein bei der Organisation von Alumni-Treffen gerne seine Unterstützung an, sind doch Vor-Ort-Kenntnisse gefragt, wenn man sich vielleicht erst nach mehreren Jahrzehnten einmal wieder an den Gestaden des Lac Léman wiedersehen und dort auf die schönen und zumeist prägenden Zeiten im Kreis ehemaliger Kommilitonen und Kommilitoninnen anstoßen will.

Der Verein erhebt einen Mitgliedsbeitrag von zurzeit 25 EURO pro Jahr. Im Wesentlichen werden die Mittel für die Förderaktivitäten durch Spenden der Vereinsmitglieder erbracht. Dafür werden Zuwendungsbescheide erteilt. Beitrittsanträge sind an den Vorsitzenden zu richten.